Museum der Dinge 2007

2007_museum der dinge die wir haben aber nie brauchen

leistung: Studie zur Diplomarbeit
status: Studie
size: variabel


text: So wie der Bau von Kirchen das Göttliche aus unserem Bewusstsein gelöst und an einem Ort fixiert hat, so wie das Museum die Kunst und Schönheit dem Alltag entzogen und zu einer Installation gemacht hat, so möchte aCircus/ saw auch mit den Dingen umgehen, die sich statt dessen in unserem Bewusstsein und unserem Alltag verankert haben.
Das Verfahren scheint ein ganz einfaches zu sein: Man identifiziert die Dinge, die subtil auf unser Gemüt wirken und gibt ihnen - vermeintlich zur Steigerung ihrer Präsenz und in Ehrerbietung - einen eigenen, eingrenzenden Raum. In dieser Weise verortet man diese Dinge dermaßen, dass sie sich aller Alltäglichkeit entziehen und nur noch an den dafür vorgehaltenen Stätten und an zelebrierten Tagen zur Entfaltung kommen.
So möchten wir all die Museen und Kirchen, Orte der wirksamen Isolation, umnutzen, um in ihnen all die Dinge zu installieren, die wir in unser Selbstverständnis  und unser Wohnen aufgenommen haben, aber in keiner oder kaum einer Weise mit uns in eine fruchtbare Beziehung treten.
aCircus/ saw  stellt sich vor, dass diese baulichen Hüllen bis unter die Decke mit Hochregalen angefüllt werden. Jeder bekommt die Chance, eine Stellwand, eine Box oder einen kleinen Raum zu belegen und darin oder daran all die Dinge zu arrangieren, die er für sich selbst und persönlich als wichtig, identitätsstiftend und wertvoll betrachtet, die aber nie eine wirkliche Beziehung zu uns eingehen und in unserem Alltag keine Relevanz haben. Auf diese Weise können diese „Schätze“ sicher und trocken verwahrt werden ohne damit unsere knapp bemessene Wohnfläche zu belasten und permanent unsere Aufmerksamkeit einzufordern.
Wenn sich das Bedürfnis einstellen sollte, können diese Orte aufgesucht und die  Dinge besucht werden. Vor Ort wird jemand sein, der unsere Box aus dem Regal holt und sie uns in einer angemessener Atmosphäre ausbreitet.
Dies könnte auch ein Ort sein, an dem wir unsere materialisierte Persönlichkeit einer interessierten Öffentlichkeit im Rahmen einer Ausstellung präsentieren können, austauschen oder verkaufen.
In dieser Weise möchte aCircus/ saw  unsere Wohnungen von ihrer Überladung, Immobilität und Lagerhaltung befreien und erwartet, dass sich daraus ein anderes, ein bewussteres  Verhältnis zu den Dingen einstellt. (aCircus war der Arbeitstitel zu der Diplomarbeiten)
fotos: andree weissert