h15 2012

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Abriss

Baustelle

2011_h15

location: Hörnum/ Sylt
client: n.n.
services: Entwurf, Bauantrag, Ausführungsplanung, Möbeldesign, Bauleitung
status: in use
size: 135m²
beschreibung: Komplettumbau eines Siedlungshauses
fotos: Daniel Hofer (www.danielhofer.com), Andree Weissert

 

Diese „Doppel-Haus-Hälfte“ ist Teil eines Ensembles von ca. 150 Gebäuden, welche 1936 als Häuser für Kapitäne und Offiziere der Kriegsmarine gebaut wurden. Die Siedlung folgte dem Leitbild der Gartenstadt. Das gesamte städtebauliche Konzept konnte nie vollständig umgesetzt werden. Die Siedlung ist als ein konzeptuelles Fragment in einem ansonsten eher heterogenen Ortsbild zu verstehen. Die traufständigen Satteldachhäuser sind über niedere Anbauten miteinander verbunden und bilden so ein sehr homogenes und geschlossenes Straßenbild. Der Baustil, aber noch viel mehr der heutige Zustand der Siedlung sprechen von einem hohen Pragmatismus. Diese Haltung zur Architektur ist im Norden weit verbreitet und wohl das gestalterische Leitmotiv – man könnte sagen, bei dem Haus handelt es sich um eine Architektur mit ausgeprägter lokaler Identität. Der Wert eines solchen städtebaulichen Exempels wurde von der Gemeinde erkannt und aus diesem Grund jegliche Veränderungen am äußeren Erscheinungsbild der Häuser ausgeschlossen. Des Hauses wurde im Verlauf der letzten 7 Jahrzehnte mehrfach umgebaut und modernisiert, die Kleinteiligkeit der Grundrisse und Funktionen ist aber erhalten geblieben und wurde noch dadurch verstärkt, das mehrere Schuppen und Palisaden den Blick in die großzügige Landschaft versperrten.

 

 -bis auf zwei Meter Wand und 3 Deckenbalken haben wir alles heraus genommen-

 

Die Verführung war groß, solch ein Gebäude als reine Hülle zu verstehen und frei von Raumhöhen, Orientierungen und tragenden Wänden ein ganz neues Gefüge entstehen zu lassen. So ist in einer äußerst konventionellen Hülle eine überraschend komplexe Schichtung von Räumen, Beziehungen und Atmosphären entstanden, die schnell vergessen lässt, in welchem Kontext das Haus eigentlich steht. Das Innere ist nicht mehr dem Ort oder der Geschichte des Hauses untergeordnet, nichtmal seinem ursprünglichen statischen Konzept. Lediglich die Ausblicke, die Verbindungen zur „alten“ Welt waren unveränderbar und somit Orientierungspunkte für das neue Gefüge. Es ist der Versuch, Räume, Funktionen und Nutzer in eine poetische Beziehungen zu einander zu setzen, Räume zu bauen, die Angebote machen, Räume - deren Benutzung vielleicht sogar ein bisschen Spass macht...